Hasso Plattner und die Altersfrage / Chinesen fürchten Sozialkredit 
 
 
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Montag, 04.03.19
 
 
 
 
VON HANS-JÜRGEN JAKOBS
 
Guten Morgen
liebe Leserinnen und Leser,
 
 
 
 
 
 
+  Daimler entdeckt Ökologie  +  Hasso Plattner und die Altersfrage  +  Chinesen fürchten Sozialkredit
 
 
 
 
 
 
   
Klartext aus der Welt der Fahrzeuge ist, nach vielen ökologischen Relativierungen und Scheinerklärungen, über alle Maßen nötig. Klartext, für den einer wie Martin Daum, 59, sorgt, CEO von Daimler Nutzfahrzeuge, der Nummer eins in der Welt. Der Mann aus Stuttgart schlägt nun vor, dass Elektro-Trucks auf der Autobahn künftig keine Maut mehr zahlen, Lkw mit Gas-Antrieb einen reduzierten Satz entrichten, Diesel hingegen stärker zur Kasse gebeten werden. Ein Anreiz-Straf-System auf der Basis von CO2-Emissionen sei dringend notwendig, so Manager Daum in der „Financial Times“ – sonst seien die Klimaziele nicht zu erreichen. Wir reden offenbar zu viel über Innenstadt und Fahrverbote, aber viel zu wenig über die rechte Spur der Autobahn.   
 
 
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Das Wesen eines Weltkonzerns, in diesem Fall der Nummer eins bei Industriegasen, beschreiben Wolfgang Reitzle und Steve Angel frank und frei nach der geglückten Fusion von Linde und Praxair. Dass der neue Gigant mit mehr als 80 Milliarden Euro Marktkapitalisierung zum zweitwertvollsten Konzern im Dax aufsteigt, ist demnach nur eine willkommene, logische Randerscheinung. „Linde war schon lange kein wirkliches deutsches Unternehmen mehr“, sagt Chairman Reitzle. Er und Angel glänzen im Handelsblatt-Gespräch mit schönsten Versprechungen (drei Jahre gemeinsame Führung, Anlagenbau und Gesundheitsgeschäft bei Lincare bleiben). Man wird hier mittelfristig auf etwaige Luftnummern achten müssen, es handelt sich um einen Text zur Wiedervorlage.
 
 
 
 
 
Hasso Plattner, deutsche Softwarelegende, fühlt sich wie 55, ist aber laut Personalausweis 75. Die Diskrepanz zwischen gefühltem und realem Alter interessiert in diesen Tagen besonders Fonds und Investoren, nachdem der Mitgründer von SAP im Gefühl allgemeiner Rüstigkeit angekündigt hat, er werde auf der Hauptversammlung im Mai noch einmal antreten – „das wird wahrscheinlich meine letzte Amtszeit als Mitglied und Vorsitzender des Aufsichtsrats sein“. Mit mehr Gegenstimmen als sonst ist für den Routinier, der auch einen Beratervertrag mit SAP hat, diesmal zu rechnen. Schließlich erklärt etwa Michael Schmidt, Chef von Deka Investment, dass nach den eigenen Richtlinien die Aufsichtsräte „zur Wahl tatsächlich nicht älter als 75 Jahre sein sollen“. Alter ist auch nur eine Zahl, aber besser keine hohe.   
 
 
 
 
Porsche kommt daher als eines dieser Unternehmen, bei denen sich positive Zukunftsthemen (Elektrifizierung) stets in einem bizarren Wettstreit mit kontaminierten Themen aus der Vergangenheit befinden. Jetzt fällt der Blick mal wieder auf eine Altlast – auf „Rechenfehler“ bei der Lohnsteuer, die zu Millionennachzahlungen ans Finanzamt führten. Ex-Vorstandschef Matthias Müller habe demnach Kosten für seine Party zum 60. Geburtstag sowie privat veranlasste Reisen per Firmenjet und Chauffeur nachversteuern müssen, bestätigte der Sportwagenbauer. Das Finanzamt Stuttgart hatte im Juni 2017 ein Verfahren wegen Ordnungswidrigkeit eröffnet, ein Jahr später gab es eine Razzia. Porsche hat erklärt, „vollumfänglich“ zu kooperieren, und alle anderen rätseln, was dem Sportwagenbauer auch anderes übrigblieb.
 
 
 
 
   
Wer sich gut verhält, bekommt viele Sozialpunkte, wer Steuern hinterzieht oder etwa mit Drogen erwischt wird, bekommt Punkte abgezogen – das ist in China keine Dystopie, wie so oft erklärt wird, sondern bereits Realität. So verweigerte die Staats- und Parteiführung im vorigen Jahr rund 17,5 Millionen eigenen Bürgern Flugreisen, fast 5,5 Millionen Mal wurde Sozialpunktschwächlingen das Fahren per Zug nicht erlaubt. Diese Kultur der Reiseverbote weist ein Report des Sozialkredit-Informationszentrums aus. Dank der Datenfülle der bei Chinesen beliebten Online-Größen Alibaba und Tencent wird sich das System bald weiter perfektionieren. Die beste Warnung kommt von „Schöne-neue-Welt“-Autor Aldous Huxley: „Es ist durchaus nicht dasselbe, die Wahrheit über sich zu wissen oder sie von anderen hören zu müssen.“
 
 
 
Venezuela rückt wieder ins Zentrum der Weltöffentlichkeit: Juan Guaidó, selbst ernannter Interimspräsident, ruft erneut zu Großdemonstrationen auf und will heute nach dem Besuch mehrerer lateinamerikanischer Staaten (zuletzt war er in Ecuador) in sein Heimatland zurückkehren. In Venezuela aber droht dem von den USA und Europa unterstützten Politiker die Verhaftung, nachdem er trotz des Ermittlungsverfahrens gegen ihn ins Ausland gereist ist. Staatspräsident Nicolás Maduro spielt in dem Konflikt „Hardball“, weil er weiter mit der Unterstützung Chinas und Russlands rechnen kann.
 
 
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Und dann ist da noch die Traditionseinrichtung des Rosenmontagszugs, die in diesem Jahr erneut unter schlechtem Wetter leidet. Düsseldorf entschloss sich, den Umzug erst um 13.30 Uhr anrollen zu lassen, statt des eigentlich geplanten Termins um 11.50 Uhr. Dann soll Sturmtief „Bennet“ schon über die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt hinweg gezogen sein. Am Rhein hält man sich ganz an die Devise des einstigen Bewohners Heinrich Heine: „Weise erdenken die neuen Gedanken, und Narren verbreiten sie.“ In Mainz dürfen beim heutigen Rosenmontagszug keine Pferde mitlaufen, Köln verzichtet darüber hinaus auch auf tragbare Großfiguren, Fahnen, Schilder und Kutschen. Es bleibt in jedem Fall bei „Helau“ und „Alaaf“.
 
 
 
Ich wünsche Ihnen einen gelungenen Start in die Woche, mit oder ohne Narrenkappe. Es grüßt Sie herzlich
 
 
 
 
Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor
 
 
 
 
 
 
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Autor des Morning Briefing-Editorials: Hans-Jürgen Jakobs
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