szmtag
Mittwoch, 21.12.2016
Guten Morgen Herr Graf Meier,
der gestrige Tag war an Trostlosigkeit nur schwer zu überbieten: Alle Politiker haben gesprochen und keiner hat etwas gesagt. Der Berliner Betrieb produzierte eine Überdosis Ohnmacht, derweil der Täter des Anschlags vom Weihnachtsmarkt sich weiter auf der Flucht befindet. Die Polizei bittet in ihrer Hilflosigkeit um unsere Handybilder. „Alles unter Kontrolle“, meldet der Regierende Bürgermeister einer Stadt, die noch unter Betäubung steht.

Die Bürgergesellschaft verhält sich äußerlich ruhig, doch im Innern brodelt es. Wer die politische Dramatik dieser Stunden verstehen will, muss den Zweitwohnsitz der Deutschen besuchen. Es handelt sich hierbei um einen mystischen Ort, der auf Google Maps nicht zu finden ist.

Der Erstwohnsitz bezeichnet das wirkliche Leben. Da ist ein jeder, was er ist: Der Arbeitslose ist arbeitslos, der Student studiert und der Arbeiter arbeitet. Der Erstwohnsitz ist das Reich des Notwendigen. Die Statistiker aller Länder haben es oft schon vermessen.

Der zweite Wohnsitz hingegen ist ein Sehnsuchtsort, gebaut aus Hoffnungen und Wünschen. Hier wird von besserer Ausbildung und sozialem Aufstieg geträumt, von mehr Geld und mehr Glück, und sei es für die Kinder. Auch der Traum von körperlicher Unversehrtheit und ewigem Frieden ist hier beheimatet.

Der Zweitwohnsitz ist für den Politiker der perfekte Ort, den Wähler zu treffen. Nur dort kann er seine wichtigste Handelsware, das Versprechen auf ein besseres Leben, an den Mann und die Frau bringen. Wirtschaftswunderminister Ludwig Erhard und Reformkanzler Willy Brandt schauten hier regelmäßig vorbei, so wie in den USA John F. Kennedy, Bill Clinton und zuletzt Barack Obama. Sie alle wussten, wie man Sehnsüchte in Politik verwandelt.

Dieser Zweitwohnsitz der Deutschen ist derzeit ein zugiger Ort. Die Winde der Globalisierung fegen übers Dach. Vom Weihnachtsmarkt weht Leichengeruch herüber. An den Herzen der verstörten Bewohner wachsen die Frostblumen.

Angela Merkel empfiehlt sich in dieser Situation nicht als der gute Hirte, der uns auf die höheren Weiden führt, sondern gefällt sich als Großgrundbesitzerin des Gegenwärtigen. Statt Auswegen bietet sie Alternativlosigkeiten. Die Globalisierung schafft Ungleichheit – und wir sollen uns damit abfinden. Der Alltagsterror wird als Teil einer neuen Normalität verkauft. Mit dem in Schwarz-Rot-Gold illuminierten Brandenburger Tor will man uns anhalten, die eigene Ohnmacht als politische Tatsache anzuerkennen. Es gibt keinen äußeren Schutz mehr, nur noch die eigene Tapferkeit. Wer nicht mit seinen Kindern erhobenen Hauptes über den nächstgelegenen Weihnachtsmarkt spaziert, verrät die westlichen Werte. Der Sehnsuchtsort wird erst auf den Status quo geschrumpft und dann dem Erdboden gleichgemacht.

So findet der Anschlag vom Breitscheidplatz seine Fortsetzung auf dem Territorium des Politischen. Die Kanzlerschaft der Angela Merkel wirkt erschöpft. Der schwarze Sattelschlepper räumte mehr ab als nur die Stände mit Mandeln und Lebkuchen.

Ich wünsche Ihnen einen nachdenklichen Start in den neuen Tag. Herzlichst grüßt Sie Ihr


Gabor Steingart
Herausgeber
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Name: Engineering Dobersek GmbH, Dr.-Ing. Albin Dobersek
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Kontakt: info@ed-mg.de
Website: http://www.dobersek.com
Netz-Bubble
NACH DEM ANSCHLAG IN BERLIN
Facebook und Co. zwischen Seriosität und Falschmeldung
Von Tina Halberschmidt, Teamleiterin Social Media beim Handelsblatt

Als sich am Montagabend die ersten Meldungen aus Berlin verbreiteten, schalteten viele Menschen nicht als erstes den Fernseher an, sondern besuchten die sozialen Netzwerke: Allein das Live-Video, das die „Tagesthemen“ bei Facebook sendete, erhielt mehr als eine Million Views. Und auch die Live-Schalten des „heute journals“ sahen Hunderttausende.

Zwar haben traditionelle TV-Nachrichtensendungen noch lange nicht ausgedient. Aber immer mehr Menschen informieren sich via Twitter, Facebook und Co. über aktuelle Ereignisse. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Gefährlich kann es nur werden, wenn – wie oft nach bedrohlichen Situationen – Falschmeldungen und Spekulationen im Umlauf sind. Vielen fällt es schwer, Gemunkel von Tatsachen zu unterscheiden. Nach dem Amoklauf am Münchner Olympia-Zentrum zum Beispiel sorgten falsche Behauptungen über einen weiteren Zwischenfall am Stachus für Panik.

Auch zum Anschlag in Berlin wurden Gerüchte veröffentlicht. So verbreiteten sich Fotos, auf denen angeblich der Täter zu sehen sein sollte. Bei Twitter informierte die Berliner Polizei hingegen absolut zuverlässig – und etablierte den Account @PolizeiBerlin_E einmal mehr als seriöse Social-Media-Quelle.
WAS GLAUBEN SIE – WEM KANN MAN IN DEN SOZIALEN NETZWERKEN VERTRAUEN?
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Autor des Morning Briefing-Editorials: Gabor Steingart
Verantwortlicher im Sinne des § 55 Abs. 2 RStV: Kerstin Jaumann
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Geschäftsführung: Gabor Steingart (Vorsitzender), Frank Dopheide, Ingo Rieper
AG Düsseldorf HRB 38183, UID: DE 812813090
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