Britische Firmen auf Inselflucht / Dauerstreit um Tempo 130
 
 
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Dienstag, 19.02.19
 
 
 
 
VON HANS-JÜRGEN JAKOBS
 
Guten Morgen
liebe Leserinnen und Leser,
 
 
 
 
 
 
+  Peter Altmaiers Kohle-Revier  +  Britische Firmen auf Inselflucht  +  Dauerstreit um Tempo 130
 
 
 
 
 
 
kurz vor dem womöglich entscheidenden Treffen der Kohlekommission am Freitag hat Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) das Revier des Möglichen markiert. „Wir dürfen die Netze, die Versorger, die Unternehmer und die Verbraucher nicht überfordern“, warnte er auf dem Handelsblatt Energie-Gipfel in Berlin vor einem überstürzten Kohle-Exit. Schließlich steige Deutschland ja schon aus der Atomkraft aus, fügte Altmaier an und versprach der Industrie Kostenentlastungen. Dass die Politik eher im Stil von Kurpfuschern an der „Energiewende“ herumdoktert, spielte weniger eine Rolle. Und die Umweltverbände schließlich, die mit Blick auf das Pariser Klimaschutzabkommen mehr Tempo beim Wandel fordern, dürften sich vom Minister verlassen fühlen.
 
 
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Wenn britische Firmen aufgrund des Vertragschaos mit der Europäischen Union ihr Land verlassen, bürgert sich hier und da schon der Begriff „corporexit“ ein. Die entsprechenden Nachrichten häufen sich, zu Panikkäufen einzelner Unternehmen kommen nun Flucht-Operationen. So kündigte Sir James Dyson, Staubsauger-Milliardär und eifriger Brexit-Förderer, die Verlegung des Headquarters nach Singapur an, wo er ganz viele Elektroautos bauen will. Der Fährbetrieb P&O wiederum lässt seine Ärmelkanal-Flotte künftig unter der Flagge Zyperns tuckern. Und Sony bestätigte, seine Europa-Zentrale von London nach Amsterdam zu verlegen. Das Parlament haut drauf, die Wirtschaft haut ab.   
 
 
 
 
   
Ein Amt ist Carlos Ghosn noch geblieben, dem einst so glanzvollen Architekten einer Weltautoallianz mit Renault, Nissan und Mitsubishi Motors. Es handelt sich um den Chefposten bei Renault. Doch auch damit wird nach Informationen von „Les Echos“ bald Schluss sein. Der Manager, der in Japan einiger Gaunereien verdächtigt wird und in U-Haft sitzt, soll signalisiert haben, dass er bereit sei für die Demission. Mit dem Interims-Management wird nach dem Willen der Renault-Großaktionäre rund um den französischen Staat nun Schluss sein. Als Nachfolger vorgesehen sind Michelin-Chef Jean-Dominique Senard als Non-Executive President sowie Thierry Bolloré als Generaldirektor. In ihrem schweren Amt können sie sich an La Rochefoucauld halten: „Es ist eine große Dummheit, allein klug sein zu wollen.“  
 
 
 
 
Abgesagt – eine mit viel Hoffnungen eingesetzte Expertenkommission („Plattform Mobilität der Zukunft“) braucht heute erst gar nicht im Bundesverkehrsministerium zu erscheinen. Der illustre Kreis mit dem etwas sperrigen Namen hatte es sich erlaubt, Tempolimit 130 zu favorisieren sowie höhere Steuern auf Diesel und Benzin anzuregen, wohingegen der Staat beim Kauf von E-Autos noch stärker mit Subventionen helfen sollte. Die Vorschläge sah Minister Andreas Scheuer (CSU) offenbar als Anschläge und zwar „gegen den gesunden Menschenverstand“ – was er in einer „Bild“-Kampagne ausreichend mitteilte. Die Verkehrsfachleute werden somit desavouiert und Scheuers Beamte zu Worttüftlern. Die Sitzung werde für „kurze Zeit“ verschoben, teilen sie mit, „um eine zeitnahe Koordinierung der weiteren Arbeiten aller Arbeitsgruppen zu erreichen“.
 
 
 
Auch wenn Scheuers Mobilitätsplattform Zwangspause hat, passiert in einem anderen Verkehrssektor an diesem Mittwoch Bahnbrechendes. Die Deutsche Bahn stellt in Frankfurt „Holoplot“ vor – die Audiotechnik soll sicherstellen, dass Reisende die Ansagen zu Zugausfällen und Unpünktlichkeit auch wirklich aufnehmen können. Wo bisher oft nur diffuse Soundcluster zu vernehmen waren, werden nunmehr „kristallklare“ Durchsagen versprochen. Zur Pressekonferenz lädt das Unternehmen zusammen mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund tatsächlich unter einem „Titanic“-reifen Titel: „Nie mehr Bahnhof verstehen“.
 
 
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Und dann sind da noch Unternehmerwitwe Gerda Hymer und ihre zwei Kinder, die die eigene Wohn- und Reisewagengruppe derzeit verkaufen wollen – für mehr als zwei Milliarden Euro. Doch der eingeplante Erwerber, der börsennotierte US-Marktführer Thor Industries, fordert offenbar 15 Prozent Rabatt, nachdem bei Hymers Nordamerikatochter ein Bilanzskandal ruchbar wurde, enthüllt das Handelsblatt. Fahrzeuge, die noch auf dem Betriebshof standen, wurden allem Anschein nach als Umsatz gebucht, wohl eine Manipulation von mehr als 100 Millionen Dollar. Für Martin Brandt, 59, dem CEO der Erwin Hymer Group, ist das ein peinliches Intermezzo in einem doch nicht ganz so perfekten Deal. Nach „Kuschelcamper“ sieht das Ganze nicht aus.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten Tag ohne Bilanzüberraschungen.
Es grüßt Sie herzlich
 
 
 
 
Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor
 
 
 
 
 
 
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Autor des Morning Briefing-Editorials: Hans-Jürgen Jakobs
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