Kleinfeld scheitert an Hedgefonds / Tag 1 mit Jeff Bezos
szmtag
Portrait von Hans-Jürgen Jakobs
Dienstag, 18.04.2017
Guten Morgen Herr Godin,
Erdogan
wie leicht man mit demokratischen Methoden undemokratische Verhältnisse herstellen kann, beweist Recep Tayyip Erdogan in der Türkei. Mehr als 51 Prozent der Türken votierten für seinen Plan eines Präsidialsystems, das den Erdogan-Clan weiter stärkt und das Parlament weiter schwächt. Das alles bedeutet: noch mehr Journalisten in Gefängnissen, noch mehr unliebsame Beamte, Lehrer und Richter zur Entlassung vorgemerkt, noch mehr Demagogie und – als Zugabe – die wahrscheinliche Wiedereinführung der Todesstrafe. Am Sonntag hat sich die Türkei von Europa verabschiedet. JETZT LESEN

Referendum
Besonders fatal: Die Erdogan-Zustimmung bei den in Deutschland lebenden Türken war überdurchschnittlich groß. In Essen stimmten sogar 75 Prozent für den Autokraten aus Ankara. Während die hiesigen Politiker wegen solcher Resultate geschockt sind, blasen die überregionalen Kollegen wütend ins Horn. Die Staats- und Regierungschefs der EU sollten auf ihrem Treffen Ende April „die Beitrittsgespräche mit der Türkei beenden“, fordert Manfred Weber, Fraktionschef der konservativen EVP im Europaparlament, im Handelsblatt. Anders gesagt: Der Zug ist abgefahren und der Bahnsteig voll mit Ratlosen. JETZT LESEN

Kleinfeld
Zehn Jahre nach seinem Abgang bei Siemens hat es Klaus Kleinfeld bei seiner nächsten Chefaufgabe erwischt – er trat von der Kommandobrücke des US-Aluminiumkonzerns Arconic ab. Der Deutsche ist in der amerikanischen Wirtschaftswelt sehr anerkannt, nicht aber bei Paul Singer. Dieser schneidige Jurist gehört als oberster Fuhrwerker des Hedgefonds Elliott zu jener Spezies kapitalistischer Freibeuter, die gezielt mit viel Kapital und Chuzpe vermeintliche Schwächen im System in persönliche Spekulationsgewinne ummünzen. Bei Arconic hält er 13 Prozent. Gegen diesen „Aktivisten“ gab schon Argentinien klein bei, was wollte da Klaus Kleinfeld ausrichten? Ein Habsüchtiger lässt sich durch keinen Gewinn sättigen (Seneca).

Pence
Als Postillon d'amour betätigt sich US-Vizepräsident Mike Pence in diesen Tagen in Japan, unter anderem bei Regierungschef Shinzo Abe. Es geht um einen neuen Wirtschaftsdialog, damit aber auch um einen Schulterschluss gegen Nordkorea – dessen letzter Raketentest jüngst an technischer Kompetenz scheiterte. Die Geduld der USA sei nicht unendlich, ruft Pence in Richtung Pjönjang. Für Begriffsstutzige schiebt er noch einen Verweis auf jüngste US-Bomben in Syrien und Afghanistan nach.

Macron
Deutsche Politiker schätzen in Frankreichs bizarrem Präsidentschaftswahlkampf noch am ehesten Emmanuel Macron, den einstigen Rothschild-Banker und Wirtschaftsminister. Doch nun hat der Kandidat die deutsche Exportwirtschaft überaus stark kritisiert: Deutschland müsse zur Einsicht kommen, „dass seine wirtschaftliche Stärke in der jetzigen Ausprägung nicht tragbar ist“. Es bedürfe eines Ausgleichs der hohen Handelsüberschüsse. Macron liegt mit der rechtsextremen Marine Le Pen von der Front National in den Umfragen vorn und braucht in diesem Duell viel Patrioten-PR, auch in Form von Teutonen-Bashing.

Finanzpolitiker, Ökonomen und Zentralbanken weilen in dieser Woche beim Internationalen Währungsfonds in Washington. Die Expertenrunde erwartet eine positive Einschätzung der Emerging Markets, der Schwellenländer – nach sechs Jahren Stillstand. China (plus 6,9 Prozent Wachstum), aber auch Türkei, Brasilien, Mexiko und Südkorea melden wieder starke Zahlen. Was wie ein Leuchtfeuer der Hoffnung wirkt, könnte allerdings auch ein Strohfeuer sein.

Bezos
Zu den aktuell weltweit begehrten Lesestoffen gehört der letzte Aktionärsbrief von Amazon-Chef Jeff Bezos. Der Internet-Milliardär beschreibt darin als wichtige Basis für seinen Konzern das verpflichtende Gefühl, dass bei Amazon immer „Tag 1“ ist („Tag 2 ist Stillstand. Danach kommt nur noch die Irrelevanz“). Immer auf den Kunden hören, rät Bezos, und propagiert intern die Strategie „Disagree and Commit“. Nicht alle Entscheidungen müssten von jedem in der Firma geteilt, wohl aber unterstützt werden, erklärt Bezos, von Tag 1 an die Nummer 1.

Ich wünsche Ihnen Arbeitsspaß wie am ersten Tag. Es grüßt Sie herzlich


Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor
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Frankreich steht kurz vor der Präsidentschaftswahl. Die Umfragen erwarten ein Duell zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen. Der Anteil der Unentschiedenen ist aktuell doppelt so hoch wie vor der letzten Wahl. Dennoch wäre alles andere als eine Wahlniederlage Le Pens eine faustdicke Überraschung.

Sollte Macron die Wahl wie erwartet gewinnen, könnte sich der Fokus der Anleger weg von den politischen Risiken hin zur starken konjunkturellen Verfassung der Eurozone verschieben. Die Folge: Europäische Aktien und andere Risikoaktiva hätten Kurspotential. Dies könnte Anleger aus Übersee zu einer Rückkehr nach Europa motivieren. iShares bietet Ideen an, wie Anleger vom Ausgang der Wahlen in Frankreich profitieren könnten.
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Von Franziska Bluhm, Leiterin Digitale Vernetzung beim Handelsblatt

Kennen Sie Lisa und Lena? Wenn nicht, dann sind ihre liebsten sozialen Netzwerke offenbar nicht Musical.ly und Instagram – denn dort gehören die zahnspangentragenden Zwillinge zu den absoluten Stars. Die 14-Jährigen aus Stuttgart haben bei Instagram schlappe 10,4 Millionen Abonnenten, nur die beiden deutschen Fußballer Mesut Özil und Toni Kroos erreichen mit ihren Fotos und Videos mehr Menschen. Bei Musical.ly haben die beiden fast 19 Millionen Fans. Sie veröffentlichen dort 15-sekündige Clips, in denen sie zu aktuellen Liedern tanzen und synchron die Lippen bewegen. In beiden Portalen erreichen die Filme Abrufzahlen in Millionenhöhe.

Sie kennen Musical.ly auch nicht? Das könnte auch an Ihrem Alter liegen. Die Smartphone-App nutzen bereits hunderte Millionen Menschen, die meist zwischen 13 und 25 Jahren alt sind und dort in der Selfie-Perspektive lustige Musikvideos drehen.

Und die Zwillinge zeigen, dass sich mit dem Social-Media-Ruhm auch Geld verdienen lässt - seit November 2016 haben die beiden einen eigenen Online-Shop, in dem es selbst designte Kleidung und Merchandise-Artikel der beiden zu kaufen gibt.
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Autor des Morning Briefing-Editorials: Hans-Jürgen Jakobs
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