Don Trump, Buchverlegers Liebling / Streit um EU-Digitalsteuer
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Sonntag, 22.07.18
 
 
 
 
VON HANS-JÜRGEN JAKOBS
 
Guten Morgen
liebe Leserinnen und Leser,
 
 
 
 
 
 
+  Von Sanktion zu Sanktion in Syrien  +  Don Trump, Buchverlegers Liebling  + Streit um EU-Digitalsteuer
 
 
 
 
 
 
 
mit der Syrien-Krise drehte die alte Woche bei und die neue Woche auf. An diesem Montag stellt US-Finanzminister Steven Mnuchin neue Sanktionen gegen Russland vor, diesmal gegen Firmen, die Bashar al-Assads Chemiewaffenproduktion unterstützen. Wladimir Putin dagegen warnt vor Chaos und sieht die UN-Charta durch den jüngsten Anti-Syrien-Militärschlag von USA, Frankreich und Großbritannien verletzt.
 
 
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Syrien wird zum Schlachtfeld eines Jeder-gegen-jeden-Kriegs, und die Außenminister der EU wollen dabei heute in Luxemburg herausfinden, ob sie hier irgendwo Frieden stiften können, unter besonderer Anstrengung von Frankreich. Die Weltgeschichte wird – frei nach Bertrand Russell – erneut die Summe dessen sein, was vermeidbar gewesen wäre.
 
 
 
 
 
Wenig Erfreuliches gab es lange Zeit über den Buchmarkt zu berichten: weniger Leser, Auflagenprobleme, hohe Preise. Was hier hilft, ist erkennbar ein Donald-Trump-Effekt. Hatte schon Autor Michael Wolff mit seinem „Fire-and-Fury“-Epos gigantischen Erfolg, so dürfte auch das am Dienstag erscheinende Werk des Ex-FBI-Chefs James Comey („A Higher Loyalty“) große Resonanz erfahren. Dem Ex-Staatsanwalt, der gestern Abend bei ABC im US-Fernsehen auspackte, kommt der US-Präsident wie ein Mafia-Pate vor. Irgendwann wird dann Don Trump, der schon Schlüsselwerke wie „The Art of the Deal“ vorgelegt hat, seine eigene Sicht der Dinge publizieren und mit „I, Donald“ oder so ähnlich die Buchbranche endgültig glücklich machen.
 
 
 
 
Der Informationskrieg hat in diesen Tagen viele Gesichter und geht entweder Wirtschafts- oder Waffenkonflikten voraus. Die US-Regierung wendet sich nun scharf gegen den Plan der EU, die großen amerikanischen Digitalkonzerne wie Google oder Facebook (Steuerminimalisten der gröberen Art) künftig effektiv zu besteuern. Notfalls wolle man vor der Welthandelsorganisation WTO klagen, sagten US-Vertreter bei Treffen mit der OECD – so schildert es unsere Titelgeschichte. Die Europäer wiederum hatten zuvor laut gefragt, ob die US-Steuerreform mit dem deutlichen Absenken von Steuersätzen wohl rechtens sei. Die Kunst, Steuern einzunehmen, beruht noch immer darauf, die Gans zu rupfen, ohne dass sie schreit. JETZT PREMIUM-ARTIKEL LESEN
 
 
 
 
 
Mit der Großen Koalition bleibt der Bundesrepublik auch der interne Regierungskonflikt über Glyphosat erhalten. Die aus den Weinbergen von Rheinland-Pfalz nach Berlin eingewechselte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zeigt sich öffentlich skeptisch, ob ein Verbot des Agrarchemiemittels vor dem EU-Recht Bestand haben würde. Durch alternative Forschung solle Glyphosat vielmehr überflüssig gemacht werden, sagt Klöckner. Genau dafür, für ein Verbot, aber tritt Umweltkollegin Svenja Schulze (SPD) an – mit Verweis auf Umweltschützer. Die fordern seit Langem im Kampf für Artenvielfalt ein politisches Eintreten gegen Glyphosat.
 
 
 
 
Von Volkswagen ist der politisch interessierte Zeitgenosse derzeit einiges gewohnt. Nun stellt sich heraus, dass der Autokonzern nicht nur Affären rund um Sexdienste, Abgasmanipulation und Affen hatte, sondern auch einem Zulieferer eine ungewöhnliche Spezialbehandlung zukommen ließ. Die Wolfsburger ordneten einfach an, Top-Leute des unliebsamen Lieferanten Prevent aus der bosnischen Familie Hastor auszuspionieren. Die beiden Parteien liegen in einem heftigen Rechtsstreit, nachdem VW den einstigen Vertrag gekündigt hat. Offenbar hatte sich der Autokonzern nach einem Streit um Leistungen und einem darauf folgenden Streik rechtzeitig insgeheim Ersatz für Prevent geschaffen. Die Ausgebooteten zeigen sich „zutiefst schockiert“ vom Einsatz der Detektive. JETZT PREMIUM-ARTIKEL LESEN
 
 
 
 
Rund tausend Gäste, darunter 200 Kinder, inspizierten am Samstag die neue Zentrale der Handelsblatt Media Group im Düsseldorfer Stadtteil Pempelfort. Sie schauten beim „Family & Friends Day“ von der Dachterrasse über Dächer und Bahngleise, redeten in der 600 Quadratmeter großen „Debate Hall“ oder setzten sich in bunte Konferenzräume. Erlebbar wurde, so der Tenor, ein Bau der digitalen Zeit, so offen wie modern, so kommunikativ wie einladend. Gute Architektur macht guten Journalismus leichter.
 
 
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Heute möchte ich Sie, kurz vor Ende, nach Ihrem spontanen Eindruck zu diesem Morning Briefing fragen. Sagen Sie: „Irgendwas war heute anders, ich komme nicht darauf, was es ist.“ Oder glauben Sie: „Wow, das ist ja mal ein frischer Auftritt, die verjüngen sich ja!“ Oder resümieren Sie: „Von mir aus hätte alles so bleiben können, wie es war, eine neue Optik wird überschätzt.“ Teilen Sie uns Ihre Meinung mit und schreiben Sie mir, was beim Weckdienst noch besser aufbereitet werden könnte: jakobs@morningbriefing.de. Doch bevor Sie sich wundern, noch ein wichtiger Hinweis: Börsenbericht, Kolumnen und der Schlussstrich kommen bald wieder – wir überarbeiten das Layout in zwei Schritten, weil wir gerne Ihr Feedback mit in das finale Design einfließen lassen wollen.

Ich wünsche Ihnen einen beschwingten Start in die Woche. Es grüßt Sie herzlich
 
 
 
 
Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor
 
 
 
 
 
 
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Titelthema:
Trump bekämpft Digitalsteuer
 
 
 
 
 
 
 
 
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NOTIZEN AUS DER BAHN
 
Hab‘ ich was verpasst?
 
Drei Stunden und elf Minuten dauert die Rückfahrt mit dem ICE von München nach Frankfurt. Hinter mir liegt ein anstrengender Arbeitstag. Ich freue mich auf die Fahrt. Weil ich mir hier in der Ruhezone gleich eine Komödie auf dem ICE-Portal anschauen werde. Doch wie verbringen eigentlich die anderen Passagiere die Zeit?

Mein Nachbar links? Schläft. Die ältere Dame schräg gegenüber, die an eine Studienrätin erinnert? Bildet sich mit einer der Gratis-Tageszeitungen weiter. Das Pärchen? Oh je. Scheint sich gerade gestritten zu haben. Der Zugbegleiter kontrolliert gerade die Fahrscheine. Nur meinen Sitznachbarn lässt er schlafen. „Der hat sich bereits selber in der DB Navigator App eingecheckt“, kommentiert der Zugbegleiter meinen fragenden Blick, „mit dem Komfort-Check-in.“
 
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Autor des Morning Briefing-Editorials: Hans-Jürgen Jakobs
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