Börsengift Trump / Arbeiterstreik gegen Ronaldo
 
 
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Sonntag, 22.07.18
 
 
 
 
VON HANS-JÜRGEN JAKOBS
 
Guten Morgen
liebe Leserinnen und Leser,
 
 
 
 
 
 
+  Nato als Deutschland-Tribunal  +  Börsengift Trump  +  Arbeiterstreik gegen Ronaldo
 
 
 
 
 
 
 
Nato-Gipfel sind nicht länger Treffen gegenseitiger Gunstbezeugung, sondern vielmehr nervöse Event-Talks. Das aktuelle Meeting in Brüssel ist sogar dank Donald Trump zu einem Deutschland-Tribunal geworden – mit der Schockthese, wir seien „ein Gefangener Russlands“, da Deutschland „60 bis 70 Prozent seiner Energie“ von dort beziehe. Das hat mit der Wahrheit so viel zu tun (reelle Quote: rund 35 Prozent) wie ein Trump-Tower mit einem Architektur-Preis. Für Wortbeiträge dieser Art hat der US-Philosoph Harry Frankfurt übrigens schon vor Jahren das einprägsame Wort „Bullshit“ erfunden.   
 
 
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Via „bullshitting“ lassen sich politische Kampagnen leicht umrahmen. Zum Beispiel die Mission, die Nato-Partner zu höheren Militärausgaben zu treiben. Mit der Idee, es sollten künftig vier statt zwei Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts sein, leitet US-Präsident Trump den heutigen zweiten Gipfeltag ein. Es soll dann auch um Afghanistan, Ukraine und Georgien gehen, und vielleicht kann die einstige DDR-Bürgerin Angela Merkel der Runde noch mal erklären, wie froh sie ist, nicht mehr in einem Moskauer Vasallen-Staat leben zu müssen. Sie selbst sollte Norman Mailer beherzigen: „Im Leben kommt es darauf an, Hammer oder Amboss zu sein – aber niemals das Material dazwischen.“  
 
 
 
 
 
Der notorische Deutschland-Kritiker Trump zielt mit seiner Kritik vor allem auf die Ost-West-Pipeline Nordstream 2 und den hier aktiven Altkanzler Gerhard Schröder. Zu viel Putinismus? Der Mann aus Hannover lässt nun per Interview wissen, dass er zur Hochzeitsfeier im Oktober den russischen Präsidenten überhaupt nicht einlade („viel zu viel Buhei“). Nebenbei schrödert der Sozialdemokrat mögliche Kanzler der Zukunft herbei: Armin Laschet (CDU) sowie Olaf Scholz und Stephan Weil (beide SPD). Auf Frauennamen kam er nicht.
 
 
 
 
Der Poltergeist aus dem Weißen Haus wird vermutlich auch an diesem Donnerstag den internationalen Aktienkursen nicht gut tun. Trump ist derzeit Börsengift. Seit Januar hat der Dax mehr als 1000 Zähler verloren, und die amerikanische Drohung mit weiteren Strafzöllen gegen China in Höhe von 200 Milliarden Dollar hat die Stimmung noch mal verschlechtert. Schon sieht Augustin Carstens, Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel, „Wolken am Horizont“ aufziehen. „Angst vor dem Absturz“ heißt unsere Titelstory.
 
 
 
Schlechte Nachrichten produzieren die Deutsche Börse und andere Börsenkonzerne auch in eigener Sache. Ihre zum Teil voluminösen Preiserhöhungen haben Banken, Broker und Hochfrequenzhändler nachhaltig verärgert. Sie beschwerten sich darüber bei der EU-Kommission, und auch die europäische Finanzaufsicht Esma interessiert sich nun für den Fall. Sie holte per Fragebogen Informationen ein, erfuhr unsere Redaktion. Schon Theodor Fontane wusste: „Wo viel Geld ist, geht immer ein Gespenst um.“
 
 
 
 
Irgendwie beruhigend, dass auf gefährdeten Flugstrecken unerkannt Bundespolizisten mit an Bord sind. Im Ernstfall sollen sie eine Terror-Attacke verhindern. Laut Gesetz sind diese „Sky Marshals“ gratis zu befördern – doch die Lufthansa will für sie künftig nicht mehr länger Steuern, Gebühren (Zoll, Einreise) sowie Start- und Landeentgelte zahlen. Vor dem Bundesgerichtshof fordert der Börsenkonzern heute mehr als 2,3 Millionen Euro vom Staat zurück. Man kann das eine moralische Notlandung nennen.
 
 
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Und dann ist da noch der Weltfußballer Cristiano Ronaldo, 33, der für 112 Millionen Euro Ablösesumme von Real Madrid zu Juventus Turin wechselt, einer Dependance der Agnelli-Elkann-Familie, der auch Fiat-Chrysler maßgeblich gehört. Da 30 Millionen für den Deal mit der Werbefigur Ronaldo aus der Fiat-Kasse kommen sollen, kündigt die Gewerkschaft USB einen Proteststreik an. Begründung: Während eine einzelne Person Millionen verdiente, kämen Tausende Familien mit ihrem Geld nicht bis Mitte des Monats aus. Sieht so aus, als starte Ronaldo in Italien mit einem Eigentor.

Ich wünsche Ihnen einen stressfreien Tag.
Es grüßt Sie herzlich
 
 
 
 
Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor
 
 
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Autor des Morning Briefing-Editorials: Hans-Jürgen Jakobs
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