Die Pinterest-Show von Singapur / Lack ab bei Tesla
 
 
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Freitag, 22.06.18
 
 
 
 
VON HANS-JÜRGEN JAKOBS
 
Guten Morgen
liebe Leserinnen und Leser,
 
 
 
 
 
 
+  Merkels Autoritätsverlust  +  Die Pinterest-Show von Singapur   +  Lack ab bei Tesla
 
 
 
 
 
 
 
wenn in der Großen Koalition der Missmutigen in Berlin mal nicht die SPD mit der Union streitet, dann streitet halt die Union mit sich selbst. Das führt jetzt dazu, dass die Autorität der Kanzlerin angeschlagen wirkt wie eine Tasse Meißner Porzellan, die lange im Geschirrspüler war. Mit aller Kraft muss Angela Merkel intern darauf drängen, die Frage der Grenzabschottung gegen Asylbewerber in Europa klären zu wollen. Hierfür fanden sich in der gestrigen Fraktionssitzung nicht mal die üblichen Claqueure.
 
 
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Die Wahlen im Blick, die AfD im Kopf, gilt in diesen Kreisen Horst Seehofer mit seinem „Masterplan Migration“ auf einmal als Retter. Der Bundesinnenminister von der CSU will keinen Menschen mehr ins Land lassen, der irgendwo in Europa Asyl beantragt hat. Intern spricht er von „Systemkrise“. Inzwischen macht Seehofer sogar Politik mit seiner Terminwahl: Den Integrationsgipfel im Kanzleramt heute sagte er ab und trifft sich lieber mit Österreichs Kanzler Sebastian Kurz. Hier demonstrieren zwei gegen Merkel das Prinzip der „brothers in arms“.   
 
 
 
 
Auf Pinterest, oder auch in konventionellen Fotoalben, wird es sich gut machen, was Donald Trump und Kim Jong Un bei ihrer Kurzbegegnung in Singapur produziert haben. Viel herzliches Händedrücken, gelöstes Autokraten-Lachen. Ihr dürres Poesiepapier zu Frieden und Abrüstung in Nordkorea ist so vage, dass sich daraus alles und nichts ergeben kann. So gut die PR war, so fragwürdig war die Idee des US-Präsidenten, auf Manöver in Südkorea zu verzichten. Der Verbündete wusste davon nichts.
 
 
 
 
 
Der wahre Sieger der Bildershow ist schnell gefunden: Singapur. Der kapitalistische Reichtum des Inselstaats hat ja sogar den Austeritätskommunisten aus Pjöngjang fasziniert. Das neutrale Singapur unterhalte traditionell gute Beziehungen sowohl zu den USA als auch zu Süd- und Nordkorea – sowie nach China und Japan, erklärt Berater-Doyen Roland Berger. Das Land habe sich als „ehrlicher Makler“ einen Namen gemacht. Der Mann muss es wissen: Er ist in München Honorarkonsul für Singapur.
 
 
 
 
 
Etwas weniger geglückt war eine Kultureinlage von Ivanka Trump. Die präsidentielle Tochter twitterte zum Gipfel („Diejenigen, die sagen, es könne nicht gemacht werden, sollten nicht die stören, die es machen“). Nur handelt es sich dabei um ein „chinesisches Sprichwort“, das in China keiner kennt. Gleichzeitig kam heraus, dass sie und ihr Mann Jared Kushner 2017 fast 80 Finanztransaktionen im Wert von 147 Millionen Dollar durchführten. Für Personen mit offiziellen Top-Positionen im Weißen Haus sind das erstaunliche Größen.
 
 
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Marketing: super. Produkt: innovativ. CEO: bühnenreif. Bilanz: alarmierend. Das ist die Short Story des US-Elektroautobauers Tesla, der aktuell mit düsteren News aufwartet. In der Hoffnung auf bald einsetzende Gewinne sollen neun Prozent aller Jobs gestrichen werden – 4100 von rund 46.000. Vorstandschef Elon Musk verweist auf das schnelle Wachstum, das zu Doppelkapazitäten geführt habe: „Während das in der Vergangenheit sinnvoll gewesen ist, wäre es heute schwer zu rechtfertigen.“ Gefallene Helden reden wie Unternehmensberater.

Ich wünsche Ihnen einen rasanten Start in den Tag. Es grüßt Sie herzlich
 
 
 
 
Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor
 
 
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Autor des Morning Briefing-Editorials: Hans-Jürgen Jakobs
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